Augenblicke - Bilder und mehr...

Geschichten und Gedanken

 

 

Vom Trost der Teddybären

 

Ich steh’ in einem Kaufhaus; umzingelt von meterhohen Regalen,

deren Inhalte mich lüstern anstarren und sich ihrer Wirkung auf große und kleine Kinderherzen sehr wohl bewusst sind.

Minutenlang führe ich ein aufschlussreiches Gespräch mit einem,

aus stumpfen braunen Knopfaugen heraus sehenden,

Stoffbären über das Seelenleben der Kinder.

Bildet sich dieses Wesen, das zum größten Teil aus Sägespänen besteht, doch tatsächlich ein,

unentbehrlich für jeden Kinderhaushalt zu sein…

Plötzlich tritt ein Menschlein in meinen Korridor aus Regalen, es neigt den Kopf nach hinten

und leuchtend blaue Augen begegnen durch ein Lockengewirr hindurch meinem Blick.

Ein liebes Gesicht auf dessen Wangen Tränen ihre Spuren hinterließen; der Mund scheint sich bewegen zu wollen – da dreht es sich um und läuft weg.

Für einen Moment streifen meine Augen den Stoffbären, der dämlich vor sich hin grinst; dann lauf ich dem Kleinen nach.

Da steht er zwischen ellenlangen Beinen, stoßenden Taschen und wehenden Mänteln und blickt zu mir herauf.

Ich hock’ mich vor ihn hin, die anderen Leute stoßen und drängeln sich an uns zur Rolltreppe vorbei, und frage ob er allein ist.

Kopfschütteln, und „Die Mama ist weg!“

Der Kopf senkt sich nach unten und heiße Tränen fallen auf den giftgrünen Linoleumboden.

Keiner kümmert sich um Philipp und mich.

Wir gehen zu der Stelle, wo seine Mama zuletzt mit ihm war, wobei er auf meinen Schultern nach allen Seiten Ausschau hält.

Eine schrille Stimme, die den Namen des Kleinen beschreibt, klingt an mein Ohr.

Philipp’s Mutter erscheint, was mir strampelnde Beine und ein deutliches

Herunterwollen von meinem Rücken, ankündigen.

Die Mama breitet die Arme aus und ist offensichtlich beruhigt.

Zusammen mit Philipp geht sie in Richtung Teddybär – Regal und nimmt meinen ersten Gesprächspartner heraus und drückt ihn Philipp in den Arm:

„Jetzt ist alles wieder gut!“

Philipp: „Ja?“

 

ck1989

 

 

 

Gedanken über die Zeit:

 

Die Dämmerung ist zeitlos im silbrigen Licht:

Keine Finsternis, keine Nacht

Keine Sonne, kein Tag

Keine Autos, kein Fortschritt

Kein Rückschritt, kein Geschäft

Die Dämmerung ist die Zeit, in der die Zeit innehält und sich selbst prüft.

 

ck1980

 

 

 

 

Maskerade

 

Der Mensch, den Du erblickst, behält nie sein Gesicht

So verliert er’s hier und dort in seiner Angst davor

Ja, wechselt es absichtlich wie Clown, Narr oder Tor

Der Mensch, er lügt Dich an und glaubt, Du merkst es nicht

 

Verlor’n in seinem Bild entdeckt er sich nicht mehr

Verliebt in fremden Minen, die sein Ich entzweien

Er tritt so als ein and’rer in Deinen Blick hinein

Erfreut sich seiner Macht und setzt sich nicht zur Wehr

 

Sein hohes Glücksgefühl wird bald verschwunden sein

Denn diese fremde Kraft lässt ihn bald ganz allein

Doch, wo ist hier der Weg, der ihn zum Ich lässt gehen?

 

Der Mensch ist dort allein wo ihn ein Drang hin zwang

So wird er’s wohl nicht schaffen zeig’ ihm der Müh’ Anfang

Nimm die Maske von ihm und seine Augen sehen.

 

ck1982

 

 

 

 

Ein Mensch der mich versteht

 

Mir meine Worte nicht verdreht

Und ihren Sinn verschmäht

Ist das Verstehen?

Ich glaube mich verstanden

Aber, wie kann ich mich so fühlen, wenn

Ich mich selbst nicht erkenne?

 

Woher weiß ich, dass er mich

Versteht

Ist es, weil er mich befreit hat

Von Euch

Vom „muß“

Ist es weil er mir die Freiheit gibt

Zu Reden

Zu Lachen

Ernst zu sein

Zu Denken

Zu Fühlen

Ich zu sein?

 

Glaube ich darum, dass er mich versteht?

Ist er nicht da mit seinem Blick

Kehrt diese Angst zu mir zurück

 

Verlassen von meinem richtigen Ich

Daß nur er in mir weckt

Und in Gedanken an ihn

in Erscheinung tritt

Mich selbst aufschreiben lässt

Ich gestehe:

Ich vermisse ihn

Warum?

 

Weil ich glaube, dass er mich  v e r s t e h t !

 

ck1982

 

 

Musik